Schädel, Schutzmaske, Schlange – eine nicht ganz gewöhnliche Wanderung

8:58 Uhr,Abfahrt zu unserem nächsten Trip: von Kotor mit dem Bus nach Tivat, um dann von dort 16,48 Kilometer über zwei moderate Gebirgsketten zurück nach Kotor zu wandern. Die Adriaküste im Rücken, die Bucht von Kotor vor Augen. So weit, so gut.

Der Hafen von Tivat kann sich zwar durchaus sehen lassen. Dennoch wirkt Wiebkes Lächeln auf der ersten Anhöhe etwas gequält. Vielleicht, weil wir offenbar die ersten Wanderer auf diesem Trail im Jahr 2018 waren und entsprechend alle stacheligen Büsche durchforsten mussten?

Einige Panoramen später ging es dann aber auch wieder mit der Laune – jegliches Mitleid war also umsonst 😉

Zurecht Gänsehaut und Bammel hatten wir dagegen eine Stunde später bei der folgenden Szenerie: eine vermooste Festungsruine, aufkommende Windböen, keine Menschenseele weit und breit, dicht wuchernder und vom Sturm rauschender Wald, ein auf uns ausgerichteter Tierschädel mitten auf dem Weg.

Völlig überraschend kam jedoch keine Hexe vorbei, um uns in ihren Bann zu ziehen. Auch haben uns keine bösen Dämonen heimgesucht und ins Dickicht gerissen. So wird das mit unserer Horrorfilmkarriere definitiv nichts!

Stattdessen feiern wir wenig später lieber auf zugewucherten Ruinen „Party“. Die davor grasenden Kühe haben zum Glück noch Fleisch um ihre Knochen – anders als ihr Artgenosse zuvor…

Kurz darauf stockt uns dann aber schon wieder der Atem, als wir durch eine verlassene Festung mit eingeschlagenen Fensterscheiben, benutzten Gasmasken und herrenlosen Militärklamotten stolpern.

Hinterher erfahren wir: Es handelt sich um das „Werk Vermac“, das vor dem ersten Weltkrieg von Österreich-Ungarn erbaut worden war. Nach dem Krieg wurde das Werk von der jugoslawischen Armee übernommen.

Angeblich soll hier künftig ein Apartment- und Hotelkomplex errichtet werden. Zunächst aber müssten die Militärutensilien und die Ruinen entfernt werden, sonst hat der phänomenale Blick zur Adriaküste auf der einen und zur Bucht von Kotor auf der anderen Seite nur begrenzt Wert…

Trotz aufkommendem Hunger beschließen wir angesichts des ausgestorbenen Truppenstützpunkts, unsere Brotzeit doch lieber nach hinten zu verschieben. Also stürzen wir uns hinunter in unzählige Serpentinen. Kotor zu unseren Füßen – und fast auch eine Mini-Schlange (sorry Mama!).

Ansonsten ganz idyllisch hier 😉

Wer ist der Meinung, dass wir jetzt ein Feierabend-Bier verdient haben? Perfekt, wir auch. Auf die Gesundheit, auf das Leben!

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Fundstück: Arbeit vs. Freizeit

Passend zum Freitag mal ein bunter Klecks, von dem sich jeder Workaholic eine kleine Scheibe abschneiden könnte. Andere finden sich dagegen eventuell sogar wieder… Wie dem auch sei: Schon jetzt ein schönes Wochenende euch allen!!!

PS: Diesen Schnappschuss haben wir zufällig im Internet gefunden. Und wir maßen uns nach drei Tagen in Montenegro ganz sicher nicht an, die Leute hier charakterisieren zu können. Also: Bitte einmal Augenzwinkern beim Durchlesen 😉

Fjord, Festung, Fischplatte: Wandern in der Bucht von Kotor

Willkommen im südlichsten „Fjord“ Europas, in der Bucht von Kotor. Fjord stimmt dabei genau genommen nicht ganz: Die Bucht wurde nämlich nicht von eiszeitlichen Gletschern geschaffen, sondern sie ist ein überflutetes Karstbecken an der dalmatinisch-montenigrinischen Adriaküste.

Die Bucht von Kotor ist 30 Kilometer lang, bis zu 60 Meter tief und gesäumt von teilweise sehr steilen Felswänden. Durch die 330 Meter schmale Meerenge laufen beinahe täglich Kreuzfahrtschiffe in Richtung Kotor ein.

Die Altstadt Kotors ist ein Highlight. Viele verwinkelte Gassen und schöne Cafés laden zum Schlendern ein. Geschützt werden die mittelalterlichen Gebäude von einer über 4,5 Kilometer langen, bis zu 15 Meter breiten und 20 Meter hohen Verteidigungsanlage, die bis in eine Höhe von 260 Metern auf dem Berg San Giovanni ragt. Von der Festung „Sveti Ivan“ aus bieten sich uns tolle Blicke auf Kotor und die Bucht:

Doch erstmal in Wanderlaune wollen wir noch höher hinaus. So machen wir uns über unzählige Serpentinen – angeblich rund 72 – auf zu einem Anstieg, um schließlich nicht nur die Bucht von Kotor zu unseren Füßen zu haben, sondern auch das adriatische Meer.

Nach sechsstündiger Wanderung kommen wir bestens gelaunt wieder in Kotor an und freuen uns schon auf eine leckere Fischplatte am Abend… YUMMIE!

Busfahrt nach Montenegro: Das soll wohl ein Witz sein?!

„Ein Schwede, eine Ukrainerin, eine Russin, eine Montenigrinerin und zwei Deutsche sitzen in einem Bus.“

Obige Passage wäre prädestiniert dafür, der Anfang eines erzählenswerten Witzes zu sein. Sorry, dass jetzt kein Brüller kommt. Aber das Potpourri an Nationen beschreibt lediglich die Konstellation während unserer Busfahrt vom überlaufenen Dubrovnik ins für Viele offenbar weniger attraktive Montenegro.

Zugegeben, so einladend sah der Bus jetzt auch nicht aus:

Sicher und relaxed angekommen sind wir trotzdem. Und zwar überpünktlich, um 19:42, acht Minuten vor der planmäßigen Ankunftszeit. Davon können sich so mancher Flixbus in Deutschland oder auch kroatische Busunternehmen eine große Scheibe Abschneiden.

Das erste Highlight in Montenegro war der Stempel im Reisepass. Dass manche Grenzbeamte kreativ in der Platzierung ihrer Stempel sind hatten wir ja bereits auf unserer Weltreise 2016 erfahren. Meistens ging es dabei aber offenbar darum, andere Nationen möglichst zu überstempeln. Bestimmt alles nur Zufall – ein Schelm, der Böses dabei denkt!!! Die Montenegriner haben sich dagegen ganz anders einen aufmerksamkeitsstarken Platz erstempelt – und zwar auf der ALLERletzten Seite in unseren Reisepässen. So bleibt man definitiv in Erinnerung, schlaues Marketing 😉

Warum überhaupt ein Stempel? Montenegro hat zwar anders als Kroatien den Euro als Währung, ist dagegen aber (noch) nicht in der EU.

Angekommen in unserem ersten Zwischenstopp Kotor und einige Lachanfälle an der Fleischtheke im montenigrinischen Supermarkt später haben wir uns nach einem „harten“ Tag dann erstmal ein stattliches Abendbrot gegönnt. Am Ende bekommt man auch in Montenegro immer das, worauf man mit dem Finger zeigt 😉

Danach hieß es erstmal schlafen, schließlich warteten spannende Wandertrips oberhalb der Bucht von Kotor auf uns…….

Bier und Cevapcici sind nicht alles!

Ozujsko, Karlovacko, Velebitsko: Unsere ersten drei Wörter Kroatisch haben wir an einem Kiosk-Kühlschrank in Split gelernt. Es sind drei Biermarken – und alle Sorten ganz okay im Geschmack.

Achja: Cevapcici kannten wir schon, haben wir uns aber erst 2 Tage später in Dubrovnik gegönnt:

Sorry für diesen typisch deutschen Einstieg in unsere Reise-Erfahrungen in Kroatien und Montenegro. Aber wir konnten nicht anders. Hier wimmelt es nur so vor deutschen Touristen. Viele von ihnen besuchen die beiden kroatischen Touristenmagneten Split und Dubrovnik per Kreuzfahrt. Aida lässt grüßen, ein Hauch von Hamburg weht uns durch die Haare – allerdings angenehm mild und nicht so, dass einem gleich die Nase läuft:

Aber Split und Dubrovnik auf Bier, Cevapcici und weißsockige Sandalenträger zu reduzieren wäre echt frech! Sowohl Split:

als auch Dubrovnik:

bieten tolle Panoramen und echt sehenswerte Altstädte.

Noch nennenswerter sind allerdings die Menschen. Wow, was für eine Gastfreundschaft in sämtlichen Cafés, Restaurants und in den Straßen!!! Insbesondere unsere beiden Airbnb-Vermieter Iris und Marko waren absolute „Superhosts“, wie sie im Airbnb-Jargon heißen.

Am Ende konnten wir unseren kroatischen Wortschatz dann doch noch um sinnvolle Vokabeln erweitern. Ganz oben steht: „hvala“. Und das heißt: Danke!

Als Abspann dann noch alles, was nicht in die Kurzgeschichte gepasst hat (PS: vom Taubenschiss auf Hennings Kopf gibt es keine Bilder!)…

…Ostern in Split:

…Sundowner in Dubrovnik:

…Apartment in Split:

…Wiebke und die Eisliebe:

…Liebe zum örtlichen Fußballclub:

Tel Aviv: Zum Abschluss in der „Blase“

Israelis sagen über ihre drei größeren Städte: „Jerusalem betet, Haifa arbeitet, Tel Aviv feiert.“ Nachdem wir in Tel Aviv angekommen sind und somit alle drei Städte einigermaßen bewerten können, sagen wir ohne wenn und aber: Die Israelis haben absolut Recht!

Und mehr noch: Tel Aviv ist mal so ganz anders als der Rest des Landes. Die Küstenstadt wirkt extrem liberal und von den Menschen her durchmischt, modern und man sieht kaum religiöse Merkmale z.B. an der Kleidung der Einwohner. Mit einem Durchschnittsalter von nur 34 Jahren ist Tel Aviv zudem eine auffällig junge Stadt (zum Vergleich Hamburg: 42 Jahre). Das liegt unter anderem daran, dass viele junge Israelis nach dem Wehrdienst hierher ziehen – weg von dem Palästinenserkonflikt oder anderen nahostpolitischen Themen. Tel Aviv trägt daher auch den Spitznamen „The Bubble“ – eine Blase, in der die durchaus bestehenden Konflikte mit Nachbarstaaten ausgeblendet werden. Obwohl Tel Aviv als Wirtschaftszentrum Israels ein geeignetes Ziel von Angriffen wäre, geben sich die Bewohner der Stadt sehr betont angstfrei und unerschrocken. Bei dem traumhaften Stadtstrand, der sich fußläufig von Szene- und Ausgehvierteln entlang der Küste zieht, versteht man jeden Israeli, der nach Tel Aviv zieht:


Am Strand von Tel Aviv geht es ausgesprochen sportlich zu. Wo wir auch hingucken fliegen Frisbees, wird Beachball gespielt oder der Hula-Hoop-Ring geschwungen. Auf der Promenade kommen sich Jogger und Skateboardfahrer entgegen.


Wenn am Abend die Temperaturen etwas abkühlen und die Flutlichtanlage angeht, verwandelt sich der Strand in ein El Dorado für Beachvolleyballer. Hier treffen wir Hennings Handballmannschaftskollegen Felix, der gerade für zwei Monate in einem Krankenhaus in Tel Aviv arbeitet. Natürlich lassen wir uns von ihm und seinem israelischen Mitbewohner noch in das Tel Aviver Nachtleben entführen:


Bei Tag geht es in Tel Aviv entspannt zu, mal abgesehen vom katastrophalen Verkehr, durch den wir uns mit viel Schweiß kämpfen müssen, um das Mietauto wegzubringen. Unsere süße kleine Wohnung mit zwei Balkonen entschädigt aber für den Aufwand:


Direkt um die Ecke ist der lebhafte „Carmel Market“ und diverse Street Arts:


Die Altstadt von Tel Aviv versprüht dagegen ihren ganz eigenen Scham. Viele kleine Restaurants und der tolle Blick auf die Skyline Tel Avivs samt vorgelagerter erster Reihe am Strand sind einfach unschlagbar!


Fazit: Tel Aviv hat unsere Reiserfahrungen in Israel zum Abschluss extrem bereichert. Die Stadt ist auch für einen Kurztrip in die Sonne absolut empfehlenswert. Das Preisniveau ist aber genau wie im Rest des Landes ziemlich hoch.

Jordanien Teil 2: Wüstenfeeling im Glanze der Milchstraße

Frühes Aufstehen gehört beim Reisen regelmäßig mit dazu: Wie in muslimischen Nationen jeden Tag üblich, hallte bereits um 4.30 Uhr der Muezzin zum frühmorgendlichen Gebet durch die Lautsprecher der Stadt. Eine Stunde später klingelte unser Wecker, um 6 Uhr stand der Minibus vor der Tür.

Nach nur zwei Stunden sind wir in Wadi Rum. Unsere Wüstentour durch das 74.000 Hektar große Areal mit Sam und Chiara aus Neuseeland startet mit einem Kamel-„Ausritt“. Henning und Lulu sind ein gutes Team:

Danach ging es munter weiter mit unserem jordanischen Guide, der Englisch kaum spricht und noch weniger versteht.

Trotzdem folgen wir ihm mit einem permanenten Schmunzeln blind und alle können über sich selbst lachen. An vielen Stopps klettern wir durch die Felslandschaft und können tolle Panoramen einfangen:


Nach einem Mittagessen und einer Shisha im Schatten eines Felsens strandeten wir in unserem Camp. Es ist gottverlassen und wie ausgestorben. Nicht einmal die Zelte sind offen als wir ankamen. Also legten wir uns für ein paar Stunden in den Schatten und warteten…


Nach einiger Wartezeit könnten wir dann aber endlich unser Camp betreten: 


Zum Sonnenuntergang haben wir unsere Flasche Wein und waren noch ein bisschen kraxeln in den Felsformationen.


Am Abend gab es ein gemütliches Barbecue. Unsere Camp-Gruppe war mittlerweile auf acht Personen angewachsen. Neben uns und dem neuseeländischen Mutter-Tochter-Duo waren ein Pärchen von den Philippinen sowie zwei Travellerinnen aus Panama beziehungsweise Costa Rica dabei.

Und zu guter Letzt sind wir schließlich noch unter der strahlenden Milchstraße zum Sterne-Gucken in die Wüste gegangen. Um uns herum nichts, außer die Stille der Wüste.